Augen weit geschlossen

Von Wojciech Tuleya

Zum ersten Mal sah ich Aleksandra Waliszewskas Autoporträts vor acht Jahren. Es waren ihre frühen, noch während des Studiums entstandenen Werke, gemalt auf abgenützten Pappstücken. Damals hatte ich den Eindruck, als ob ich den Staub von einem Schatz wegpusten würde. Ich fühlte mich wie ein Archäologe, der die Fayum-Porträts aus dem Sand ausgräbt.

Das geheimnisvolle Mysterium, das sich auf den bescheidenen Werken abspielte, hatte eine enorme Auswirkungskraft. In jeder Skizze spürte man die entschlossene Hand und die hyperempfindliche Phantasie. Ich blätterte durch die Pappstücken und sah Aleksandras Bildnisse.

Aleksandra WaliszewskaAleksandra Waliszewska

In ihren späteren Werken breitete sich die Bühne aus. Waliszewskas Gestalt ist immer noch zu erkennen, aber es erscheinen zahlreiche neue Figuren, scheinbare Teilnehmer eines archaischen Rituals.

Aleksandra WaliszewskaAleksandra Waliszewska

Malt die Künstlerin ihre eigenen Träume? In den Bildern erkennt man reale Elemente: Einen Hof, ihr Atelier, manchmal Gesichter ihrer Bekannten. Viele Spuren deuten darauf hin, dass unter dem – etwas klaustrophobischen – Alltag, ein düsterer, metaphysischer Abgrund lauert. Es überrascht die Vielfalt der Gleichgültigkeit, des Schmerzen und der Grausamkeit. Aleksandra ist doch so eine nette Person! Ihre Bilder locken mit dem Geschmack der verbotenen Frucht. Sie versprechen Einweihung. Manchmal reicht es, ein Haus zu betreten, um sich in die düsteren Geheimnisse des Besitzers zu vertiefen. Manchmal reicht es, ein Bild zu betrachten.



Ausgewählte Werke

    • Self-portrait in the studio
    • Self-portrait in the studio

      • Medium: Tempera, pastel on paper
      • Size: 58 x 79 centimeters
      • Price: PLN 5500

    siehe bild

    • Study of a young girl
    • Study of a young girl

      • Medium: Tempera on paper
      • Size: 50 x 61 centimeters
      • Price: PLN 2500

    siehe bild

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