Geheimnisse des Bildes

Małgorzata Czyńska Spricht Małgorzata Czyńska

Aleksandra Waliszewska

Ein genetisch bedingtes Talent?

Da ist was daran. Meine Oma war Bildhauerin, meine Mutter auch. Ich wusste ganz früh, dass ich Malerin sein will, obwohl die Familie entsetzt war: Es sei eine unsichere Tätigkeit, ein so unsicheres Leben. Theoretisch konnte ich in den Fußstapfen meines Vaters gehen: Er ist Förster. Letztendlich war meine Kindheit im Forsthaus sehr angenehm. Ich beobachte die Pferde aus seiner Zucht, dann male ich sie.

Aleksandra Waliszewska

Ich mag, schätze, bewundere....

.... sehr viele Künstler. Meine Faszinationen gehen und kehren zurück. Ich mag wieder Modigliani, meide aber Balthus. Tizian bleibt für mich der Inbegriff eines idealen Schöpfers. Ich schätze seine Malweise und die Tatsache, dass er Mut hatte seinen eigenen Weg zu gehen, anstatt das zu malen, was gerade angesagt war. Picasso ist ein Meister, aber auch ein Prahler. Wichtigtuerei mag ich nicht. Kunstgeschichte und

Tradition sind mir sehr wichtig. Es ist schwer im Schwebezustand und ohne Wurzel zu schaffen. Ein Maler ist nur ein Mensch und braucht ab und zu Bezugspunkte. Ich habe mich immer bemüht, mich nie völlig in einer Stilistik zu schließen, vielmehr versuchte ich, etwas Eigenes herauszuholen. Manchmal betrachte ich meine Bilder, die vor ein Paar Jahren entstanden sind und sie gefallen mir besser als das, was ich jetzt male. Ich weiß aber, dass ich damals von Hopper fasziniert war und diese Etappe ist jetzt vorbei.

Aleksandra Waliszewska

Geschichte oder Illustration?

Für mich ist ein Bild auf jeden Fall eine Illustration und nicht eine Fabel. Wäre ich ein Schriftsteller, würde ich wahrscheinlich Geschichten erzählen. Aber meine Bilder kann ich selbst nicht erklären – sie machen mich auch neugierig. Manchmal habe ich den Eindruck, dass selbst eine gewöhnliche Szene, ein Autoporträt, einen Doppelboden hat. Diese Bilder sind mysteriös. Es ist besser, sie nicht zu nennen oder zu interpretieren. Man soll das Geheimnisvolle nicht mit Wörtern töten. Der Titel? Er kann helfen, aber genauso irreführen. Zum Beispiel die biblische Geschichte „Der bethlehemitische Kindermord.“ Für mich ein Vorwand, um schöne Jungen zu malen. Natürlich kann man sich auf den Titel beziehen und nach Inhalten suchen. Besser ist aber, das Bild einfach zu betrachten.

Aleksandra Waliszewska

Ein Schritt nach Vorne, manchmal zur Seite......

.... auf jeden Fall nicht nach Hinten! Das Ziel der Kunst besteht nicht in leeren Wandlungen sondern im Fortschritt. Ich weiß, dass ich von jedem Versuch profitiere, obwohl er scheitern kann. Ich wollte mehr expressiv malen. Das habe ich auch ausprobiert und war mich dann doch nicht sicher, ob das mein Weg ist und ob das zu meinem Charakter passt. Jeder Maler hat sein eigenes kreatives Temperament. Wenn man darauf hört, gelingen wunderbare Dinge, handelt man dagegen, wirken die Ergebnisse gekünstelt. Ich fing an, Sammelszenen mit viel Handlung zu bauen. Das ergab nicht immer einen Sinn. Ich möchte in meinen Werken eine fast schmerzhafte Expression vermitteln, aber es gelingt mir nicht – das gebe ich zu. Aber manchmal vermittle ich eine innere Spannung mit Hilfe einer intimen Darstellung, eines Autoporträts. Vielleicht geht es also nicht um die Handlung, sondern um die Stimmung des Bildes.

Aleksandra Waliszewska

Beruhigt es, besondere Fähigkeiten zu besitzen?

Die massenhafte Distanzierung gegenüber den Künstler-Fertigkeiten im Namen des geheimnisvollen Fortschritts scheint mir suspekt. Ich habe lange gearbeitet, um mühelos eine Hand oder ein Gesicht malen zu können und ich weiß, ich kann es. Wenn ich male und mich mit der Materie balge, beruhigt mich die Gewissheit, dass ich etwas kann. Es geht aber nicht darum, sich selbst oder den Betrachter durch das Können zu kokettieren. Es ist nur ein Element, das dem Gesamtkonzept des Bildes unterliegt.

Aleksandra Waliszewska

Malen ist ein Kampf.

Es lohnt sich zu kämpfen, sogar wenn man verliert. Wie viele glückliche Maler gab es? Zufriedenheit? Gelegentlich denke ich eine Komposition aus, stelle sie zusammen und bin zufrieden. Hin und wieder gelingt mir etwas beim Malen und dann denke ich – Super! Aber es sind nur Schimmer. Jetzt warte ich auf neue Leinwände und hoffe sie warten auch auf mich. Eine weiße Leinwand wirkt immer inspirierend – ich werde wieder kämpfen.



Ausgewählte Werke

    • Self-portrait in red shirt

      • Medium: Guache on paper
      • Size: 50 x 60 centimeters
      • Price: PLN 3500

    siehe das gemälde

    • Before horse riding

      • Medium: Oil on Panel
      • Size: 72 x 44 centimeters
      • Price: PLN 8500

    siehe das gemälde

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