Schutzfarben

Von Olga Sienko

Ich schaue mir die Bilder von Radek Zielonka an und sofort kommt eine Assoziation mit der Philosophie von Morandi, der im italienischen Pesaro das malte, was er zu Hause und draußen vor dem Fenster hatte... Mit Morandi verbindet Radek auch eine große Dosis Scharfsinn in der Beobachtung der Umgebung, das Streben nach Vereinfachung, die Suche nach Perfektion im Komponieren der Objekte - des Hausrats - in deren Anordnung gegeneinander und gegenüber den Linien des Tisches, des Fußbodens, des Teppichs. Man kann schwer sagen, es sei eine reine Beobachtungsstudie, eher ein visuelles Zähmen eines Objekts, wie einer Persönlichkeit von wilder  Natur, und Abbilden ohne Aufdringlichkeit, ohne Langweilen mit Details. Reale Objekte oder eine Landschaft sind hier eine Inspiration für weiteres Synthetisieren, Subtrahieren. Beim Malen eines konkreten Stuhls oder einer Landschaft scheint Radek zu abstrahieren und dabei mit Form und Farbe nur deren allgemeinen Umriss, Idee, Atmosphäre zu schaffen. Er stellt sein visuelles Malerwörterbuch zusammen, eine Sammlung von geheimnisvollen Rebussen. Das Detail gibt es nicht, nur eine Vorahnung einer vermutlich angehaltenen Aktion. Und danach, indem wir auf das Bild schauen, sagen wir: ein Stuhl, ein U-Boot, ein Feld.

Radek ZielonkaRadek ZielonkaRadek ZielonkaRadek ZielonkaRadek Zielonka

Mit großer Konzentration bestimmt er die Form - und dann verwendet er sie als einen abstrakten Plan für die Konstruktion der Bildebene, wo nur die Farben einzelner Bereiche von Bedeutung sind. Dann folgt eine intensive Suche nach deren erhabener Definition, die oft vielfarbig und vielschichtig ist. Obwohl die Materie jedes der Felder textural und schwingend sein kann, machen diese Werke den Eindruck des Einfachen, Entschlossenen und Synthetischen. Die Wirklichkeit gibt oft nur einen Vorwand für den Plan der Farben auf dem Bild vor, ähnlich wie in geometrischen Kompositionen von Konstruktivisten, weil Konstruktivisten, aus der Definition heraus daran interessiert, sich durch die Form auszudrücken, der Farbe eine große Bedeutung beilegten. So eine penetrante Einstellung zur Farbe hat auch Radek. In seinen einfachen Formen, in den Feldern, die den konkreten Fragmenten der Bilder zugeschrieben sind, ist die Farbe manchmal so intensiv, als hätte der Künstler sie beinahe aus dem Erdinneren ausgegraben. Oft ist sie so dunkel, nächtlich, dass sie sogar einer Wiederbelebung, eines Lumineszenzpunktes bedarf - wie ein Tier mit Schutzfarben, das ein glänzendes Auge öffnet, um eine Beute oder einen Freund anzulocken. Es ist auch ein Suchen nach dem focal point,  das Austarieren der ganzen dunklen Komposition mithilfe eines scharfen Stützpunktes. Balance - Harmonie, das ist für Radek ein sehr wichtiger Begriff.

Wenn die Malerei - eine Geste der Hand und der Rest von dem ganzen Vorhaben - wie die Schrift die Seele eines Menschen zum Ausdruck bringt, dann lese ich in Radeks Bildern, ohne ihn zu kennen: ein Kerl, sehr empfindlich gegen das Schöne, unabhängig. Ein Nonkonformist, der aber nach der Harmonie in der Autorität sucht. Selektiv und präzise im Definieren dessen, was er gerne hat. Er denkt zeitlos. Für ihn bedeutet Unbestimmbarkeit die Freiheit.



Ausgewählte Werke

    • Rail crossing
    • Rail crossing

      • Medium: Oil on Canvas
      • Size: 46 x 46 centimeters
      • Price: PLN 3400

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    • Property with a palm
    • Property with a palm

      • Medium: Acrylic on canvas
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      • Price: PLN 3500

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