Andauernde Lieblichkeit

Spricht Ewa Toniak

Przemysław TruścińskiPrzemysław TruścińskiPrzemysław TruścińskiPrzemysław TruścińskiPrzemysław Truściński

Ist die Werbung die Naivkunst von heute?

Naivität ist eine Falle, ein Schein. In Wirklichkeit ist die Werbung superraffiniert. In der Naivkunst – du meinst wohl die direkte Kommunikation, echte Emotionen, ehrliche Farben – soll die Welt etwas schöner sein. Das Glück sieht unterschiedlich aus. In der Werbung gibt es keinen Platz für Unklarheit. Alles ist unter Kontrolle. Das Lächeln hat Priorität.

Es ist doch schön, ausschließlich glückliche Menschen zu malen?

Es ist gar nicht einfach, den Unterschied zwischen den Lächeln zu zeigen. Ich musste diese andauernde Lieblichkeit erst lernen. Das ist eine völlig konfliktlose Welt. Und hermetisch. Eine Art Hyper-Realität. Ein Einzelbild ist wie ein Steckbrief. Ich muss wissen, um welche Szene es sich handelt, was für Leute ich zeichne, wie alt sie sind, was sie beruflich tun, was sie mögen. Was man von ihnen erwarten kann. Es ist wie ein Phantombild eines Mörders. Nur, dass diese Mörder völlig gedankenlos sind – sie träumen nur vom Konsum.

Ich sehe in deinen Bildern ein gewisses Umsturz-Potential.

Weil sie völlig durchgedreht sind?

Genau. Sie haben einen formellen Überschuss, eine Übermenge. Und sie bedeutet etwas. Wenn man deine Zeichnungen vom Storyboard abtrennt wirken sie vereinzelt grotesk, fast wie eine Selbstparodie.

Das sehe ich nicht, da ich den Kontext kenne. Nach dieser Szene kam die andere, alles in allem ergab eine Geschichte. Hier, in der Galerie, schweben diese Illustrationen vereinzelt und gelten als „Kunstwerke.“ Für mich ich das schockierend, ich sehe das als Trash-Kunst, ein Wegwerfprodukt. Nachdem der Film fertig ist, landen alle diese Bilder im Müll.

...und all das kehrt wie ein Albtraum, wie eine Besessenheit zurück. Du willst dich davon befreien, aber es geht nicht. Du versuchst ihn auszulöschen, aber es stellt sich heraus, dass er für irgendjemanden ein autonomes Wert darstellt. Wie ein Kunstwerk.

Totale Verblüffung. Ich betrachte sie nicht subjektiv, sondern unterscheide sie von meinen Illustrationen, meinen Comics. Es sind zwei getrennte Welten, die nur in meinem Kopf eine Verbindung darstellen können.

Für mich gehören sie zusammen. Was in den idyllischen Familien aus den Storyboards verschwiegen wird, kehrt in deinen gotischen Illustrationen und Comics wieder. Man sieht da viel Gewalt und erniedrigte Frauen. Das erzwungene Glück der Werbung bricht zusammen.

Sie sind halt ausdrucksvoll.

Die Reklame ist eine Welt mit gewaltigen Bildern und Wörtern. Es herrscht der Imperativ. Wozu brauchst du noch die Gewalt in den Untertiteln?

Ich gönne mir diese Provokation. Ich kann das ausdrücken, was da sowieso steht. Was man aber nicht sieht.

Was unsichtbar ist, oder was nur von strahlendem Lächeln und warmen Farben bedeckt ist?

Werbung bedeutet Leben unter einem enormen Druck. Hätte ich keine eigenen Illustrationen, Comics, mein eigens Kreativfeld, würde ich wahrscheinlich jemanden umbringen müssen.



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