Dieses Feuer tut nicht weh

Von Łukasz Orbitowski

Es ist eine schwierige Aufgabe, 10 Milliarden Menschen aus dem Sonnensystem hinaus zu evakuieren. Der Flug dauert 20 Jahre, wozu also diejenigen mitnehmen, die nicht bis zum Ende aushalten? Manche fälschten ihre Geburtsurkunden und gaben Schmiergeld. Dann erzählte man, daß, wenn so einer entlarvt wird, die Mannschaft ihn ins All hinauswirft, ohne Raumanzug. Ein schrecklicher Tod.

Adam Patrzyk

Der Himmel ist grau. Emilia sitzt neben mir, ihre weiße Hand erscheint in meiner erdigen wie eine runzelige Perle. Vor uns breitet sich eine Wüste kaputter und unbrauchbarer Sachen aus. In den Häusern stehen die Fenster und Türen auf. Gegenüber ist ein Hund krepiert, sein Gestank dringt bis hierher. Es war nämlich verboten, Tiere mitzunehmen.

Die Sonne wird bald explodieren und alles in eine feuchte Wolke verwandeln. Wir sitzen auf der Veranda, mehr zusammen als je zuvor und der Wind jagt in unsere Richtung die Bruchstücke der Welt.

„Möchtest du was trinken?”, fragt Emilia. Ich drücke kräftig ihre Hand und lasse sie sofort frei. Sie kommt zurück, ruhig, mit Tee, so wie ich ihn gerne trinke: stark und süß. Direkt daneben fliegt, wie ein papierner Vogel, ein Buch vorbei. Ich greife nach ihm – es ist ein Roman über wilde Völker, mit vielen Fotos. Ähnliches habe ich als Kind gesehen. Wir schauen es uns gemeinsam an: es sind Indianer aus Südamerika, halbnackt, mit Halsketten aus Knochen. Sie wissen nicht, was passiert ist. Für sie hat sich nichts geändert, wahrscheinlich sitzen sie jetzt genauso wie ich und wenn der Himmel aufflammt, werden sie glauben, daß es ihre Götter sind, die zurückkommen, um sie mitzunehmen. Ich mache das Buch zu und lasse es weiter schweben.

Nach dem Buch fliegt ein BH dahin, groß wie ein Zelt. Er fällt mir direkt aufs Gesicht, ist ganz geruchlos. Sonst riecht die Unterwäsche nach Frau (ich mag, wenn es so ist), nach Waschpulver oder nach etwas Neuem: dieser aber ist wie Plastikfolie - nichts, gar nichts. Die Besitzerin des großen Busens befindet sich jetzt irgendwo zwischen dem Jupiter und dem Saturn und es kommt ihr nicht in den Sinn, daß jemand auf der Erde in ihrer Unterwäsche wühlt. Es stößt mich beinahe physisch ab, ich öffne die Finger, der BH fliegt zum Himmel.

„Mir ist kalt”, sagt Emilia. „Ich sehe dich immer schlechter”.

Ich umarme sie. Der Wind wird stärker. An uns vorbei bewegt sich eine Papierwolke, die sich als Seiten aus der Bibel erweist; danach ein Puppenkopf, eine Tasche, ein dünnes Kabel, ein Einkaufsnetz und ein E-Book, dann eine ganze Menge seltsamer Gegenstände, über die wir alte Menschen nicht viel wissen. Gerade das ließ man uns übrig.

„Ich habe Angst”.

„Du brauchst keine Angst zu haben”, antworte ich. „Es geht ganz schnell. Dieses Feuer tut nicht weh”.

Ein Kätzchen ist uns zugelaufen, grau und klitzeklein. Der Wind und der Weltuntergang gehen es nicht an. Es liegt und schnurrt.

Noch nicht lange her, da haben Greise demonstriert, geschrien, Petitionen unterzeichnet. Ich war dabei und glaubte bis zuletzt, daß wir es schaffen wegzufliegen. Jetzt haben sich alle in ihren Häusern versteckt und ein Nachbar hat sich in der Erde seines Gartens eine Art Schutzbunker gegraben. Er behauptet, darin überleben zu können, aber er glaubt selbst nicht daran.

Ich habe Tee in der Hand und die Katze auf den Knien. Ich muß nichts mehr. Der Wind wird noch stärker, trotz der Sonnenbrille kommt Staub unter meine Augenlider. Wir schauen in die Sonne, ich trinke noch, die Luft zittert und plötzlich wird es heller. Ein heißer Windstoß umweht mich. Emilia drückt meine Hand, es ist ein gutes Gefühl, dadurch weiß ich, daß ich noch immer lebe.

Ende



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