Ich komme aus Włoszczowa

Spricht Katarzyna Rzehak

Jacek ŁydżbaJacek ŁydżbaJacek ŁydżbaJacek ŁydżbaJacek Łydżba

Wenn man Künstler nach ihren Anfängen fragt, erzählen sie oft von ihrer Kindheit und behaupten, sie fingen an zu zeichnen, bevor sie noch sprechen konnten. Wie war es bei dir?

Anders. Ich wollte kein Maler sein, sondern Historiker, am besten aber ein Nationalheld. Wenn ich in meiner Kindheit schon was malte, dann waren es Flugzeuge, Panzer, Ritter und meine liebsten Husaren. Ich kannte den Verlauf aller großen Schlachten der polnischen Armee. Ihre Niederlagen taten mir so weh, dass ich immer meine Ritter als Gewinner zeichnete, obwohl das der historischen Wahrheit nicht entsprach. Ich las eine Menge historischer Bücher, ich träumte von der „Sintflut“ und dem „Oberst Wołodyjowski“. Schon damals faszinierten mich Bilder von Piotr Michałowski, den ich bis heute sehr hoch schätze. Früh lernte ich seine Kavalleriezeichnungen und geniale Studien zu Somosierra kennen. Eine patriotische Tradition war präsent auch bei mir zu Hause. Mein Großvater, ein Partisan, erzählte mir Kriegsgeschichten vor dem Schlafengehen und er impfte mir ein, ein Pole ein Ritter sei, ein Ritter, der nie verliere. Das lebt in mir immer noch – wenn unsere Fußballmannschaft wieder ein internationales Spiel vermasselt, da bin ich fast krank.

Zurück zur Geschichte – endete alles mit den Husaren-Zeichnungen?

Nach dem Abitur, im Jahre 1984, wollte ich Geschichte an der Warschauer Universität studieren, leider schaffte ich es nicht. Da ich nicht weiter wusste, ging ich zu den Prüfungen an der Fakultät für Kunsterziehung an der Pädagogischen Hochschule, wo ich auch angenommen wurde. Nach drei Jahren bestand ich die Prüfungen und wechselte zur Graphik-Fakultät an der Warschauer Kunstakademie. Seitdem wusste ich genau, was ich im Leben zu tun habe.

Aber all die Ritter, Flugzeuge und andere Requisite aus der Jugend-Fantasie übertrugst du auf deine Malwelt?

So wie ich mich selbst übertrug. Das ist unvermeidlich. Gleichzeitig entwickelte ich sie, indem ich neue Dinge lernte. Zum Beispiel, dass man beim Zeichnen nicht bloß ein Bildnis schafft. Anders gesagt, wenn man einen Sänger zeigen will, reicht es nicht, ihn mit einem offenem Mund zu zeichnen. Das ganze Papier muss singen. Mein Professor in der Plakat-Abteilung, Maciej Urbaniec, brachte uns keine Malmethoden bei, sondern eine gewisse Denkweise und eine Ökonomie des Ausdrucks. Für einen Plakat-Künstler sind das die wichtigsten Sachen.

Oft muss ich an diese Ökonomie denken, wenn ich deine großen Bilder mit Einzelfiguren betrachte: mit einem Fahrradfahrer, einem Engel oder einem schaukelnden Mädchen. Es sind ganz starke, kondensierte Wesen.

Ich komme aus Włoszczowa, einer Kleinstadt nah an Tschenstochau. Wenn da etwas erschien, da erschien es wirklich. Wenn ein Auto vorbeifuhr, dann sahen es alle. Niemand übersah eine Frau auf einem Fahrrad, wie sie Einkaufen fuhr. Und ein Pferd, der Kohle zog? Das war ein Erlebnis! In einer Kleinstadt gewinnen banale Dinge an Wichtigkeit, sie werden zu richtigen Ereignissen.

Hatte die Religiosität von Jasna Góra einen Einfluss auf dich?

Ich erlebte tief alle Wallfahrten in Jasna Góra. Stundenlang konnte ich den Menschen zusehen, wie sie, ähnlich wie eine Armee, in Truppen geteilt vorbeigingen. Am meisten liebte ich aber die Fahnen, die ich oft in meinen Bildern zeige. Der Ritual, die Rollenteilung, die Uniformen: der Priester in seiner Soutane, die Messdiener in Chorhemden, die Mädchen in weißen Kleidern mit ihren Blumen – das alles machte auf mich einen enormen Eindruck. Es waren außergewöhnliche, fantastische Spektakel mit viel Pracht, bei denen jeder einen bestimmten Platz und eine Rolle hatte.

Und die Engel? Kommen sie auch aus diesem Repertoire?

Es ist eher ein innerliches Repertoire. Ein Engel ist ein Idealwesen und mein Lieblingsheld. Seine Kraft ist nicht erzwungen, er kann gleichzeitig hier und da sein, er weiß alles und fliegen kann er auch! Ich male Engel, damit es mehr von ihnen in der Welt gibt. Auf die Weise tue ich der Welt was Gutes. Spaß beiseite -- an meinen Schutzengel glaube ich tief. Manchmal sehe ich ihn in meinem Vater, der Bildhauer ist. Sogar der Name stimmt, da ich in ihm immer Michelangelo sah, nur im Sandstein meißelnd und nicht im Marmor. Aus heutiger Sicht sehe ich, wie viel Katastrophen ich dank seinem diskreten Schutz mied. Schon stand ich am Rande des Abgrundes, da erschien mein Engel und lenkte mich ab, nahm mich beiseite. Engel sind für mich reale Wesen.

Und deshalb malst du sie so dick, mit einer beinahe reliefartigen Struktur?

Wenn ich könnte, würde ich meine Bilder in Farbklumpen formen, statt sie zu malen. Es reicht mir nicht, dass man in der Malerei die dritte Dimension nur andeuten kann. Ich trage die Farbe pastös, walke sie wie ein Teig, damit mein Bild zumindest einwenig „auskragt“. Ich bin, sozusagen, ein Tastmensch, ich erkunde die Welt durch Berührung. Ob etwas rau, glatt, warm, kalt, scharf oder oval ist – diese Informationen, von dem Auge nur geahnt, scheinen mir am wichtigsten zu sein. Ich weiß – nicht gerade typisch für einen Maler,

Vielleicht führte dich dieses sinnliche Verhältnis zur Materie zu Schablonen und Scherenschnitten?

Es war eher eine Notwendigkeit und nicht eine bestimmte Empfindlichkeit. Als ich nach dem Studium nach Tschenstochau wiederkehrte, wollte ich Plakate machen. Der einzig preiswerte und ergiebige Weg, hunderte großformatiger Kopien zu erreichen, war eben die Schablone.

Nachdem ich sie bei der Plakatentstehung mit Farbe besprühte, entstand ein farbiges Ausschneidebild. Ich dachte, es wäre schade, die benutzten Schablonen wegzuwerfen, sie würden ein interessantes Ganzes bilden, wenn man sie auf einen kontrastvollen Hintergrund aufklebe. Diese Scherenschnitte gefielen mir dann so sehr, dass ich sie als selbständige Werke entwarf.

Du musstest eine völlig neue Technik lernen. Ein Scherenschnitt verlangt eine andere Denkweise als Malen!

Eben das gefällt mir. Der Pinsel ist unvorhersehbar, er lässt sich nicht völlig kontrollieren. Die Scherenschnitte schneide ich mit einem Skalpell, alles hängt von mir ab. Die Emotionen sind anders, das Ergebnis auch. Es erinnert alles an Modellierkunst, die ich seit meiner Kindheit liebe.

Angeblich machen sich deine Bekannten über dein Zimmer lustig, da es wie ein Modell von Heathrow aussieht. Seit wann klebst du Flugzeugmodelle zusammen?

Das erste bastelte ich mit acht Jahren. Heute habe ich vier hundert Miniaturen. Dicke Dakotas DC 3 oder elegante Lockheed Constellations sind stark und gut, wie alles, das fliegt. Engel, Ballons und Flugzeuge gehören zum Luft-Element, das mir am nächsten ist. Es ist quasi ein Archetyp, der Glaube, dass alles, was in der Luft schwebt gut sein muss und er beeinflusst mich sehr.

Deine Malwelt ist voller Archetypen. In letzter Zeit scheinen die unsterblichen Helden aus der griechischen Mythologie zu verschwinden. Hast du dich von Jason und Theseus verabschiedet?

Ich verzichtete auf Männer und nicht die Mythologie, da ich lieber Frauen um mich habe. Aus der griechischen Mythologie kommt noch ab und zu Ariadne, aber meine Heldinnen sind meistens zeitgenössisch. Meine Frau Ela ist die unermüdliche Fahrradfahrerin, meine Tochter das Mädchen auf der Schaukel, die jungen Frauen mit den Trommeln und dem Gewehr sind meine Studentinnen.

Sind das zufällige oder authentische Eigenschaften?

Authentisch! Nicht wörtlich, aber echt. Das Mädchen mit der Trommel ist eine Quasseltante, immer wenn sie etwas erzählt, tut sie das wie ein wichtiger Verkünder. Das mit dem Gewehr erzählte mir von seinen Liebesgeschichten. Es war immer stärker als die Männer, sodass es sie am liebsten verlassen würde. Ich malte es auch mit einem Säbel, mit dem es ein rotes Herz aufspießt. Die Frau mit den Rollern ist eine Freundin meiner Frau aus dem Büro. Normalerweise sah ich sie immer in anständigen Jackenkleidern. Als ich sie beim Austoben in einem Trainingsanzug und mit Rollern sah, war ich tief beeindruckt. Die besten Bilder entstehen aus Verwunderung. Ich hoffe, noch viel davon zu malen.

Ich muss nach deiner Frisur fragen. Ist sie natürlich, oder hast du einen Stilisten?

Sie ist 100-prozentig echt! Ich stehe morgens auf, schüttele den Kopf und fertig ist sie. Ich unterschätze meine Frisur aber nicht, sie ist sehr nützlich beim Kennen lernen neuer Menschen. Es gibt kaum jemand der nicht nach ihr fragt!



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