Der Maler vom Klarenberg

Von Katarzyna Sucharkiewicz

Lassen Sie sich zum Spaziergang durch Częstochowa einladen. Ich empfehle folgende Straßen vor: 7 Kamienic, Św. Barbary, Wieluńska. Wir sind in der Gegend des Klarenbergs, im Herzen des Wallfahrtszentrums. Über allem erhöhen sich die Mauern des Klosters mit dem emporstrebenden Turm, rundum Parks, Straßen und in den Straßen kleine Geschäfte und Marktbuden mit Devotionalien. Rosenkränze, Kreuze, Medaillons, Bilder, Weihrauch, Weihwassergefäße... Darunter sind auch Figuren zu finden: Mariä Unbefleckte Empfängnis, Maria vom Hl. Rosenkranz, Herz Jesu, heiliger Franziskus. Die meisten dieser Skulpturen, von geringer künstlerischer Qualität, werden als Massenware hergestellt. Die Nachfrage für derartige Souvenirs war und ist in dieser Region sehr groß, so blüht im Zentrum von Klarenberg die Produktion.

Jacek ŁydżbaJacek ŁydżbaJacek ŁydżbaJacek ŁydżbaJacek Łydżba

Schon mancher Künstler aus Częstochowa hat versucht, die Qualität der Devotionalien zu verbessern. 1898 gründete die bekannte örtliche Bildhauerin Natalia Andriolli ein Atelier für Kirchenskulpturen und Kunstgewerbe. Seit 1902 produzierte W. Salamon formell und dekorativ interessante Porzellanstatuetten von verschiedenen Heiligen "als Gegengewicht zur üblicherweise schlampigen Produktion der Gipsfiguren"[1]. In der Zwischenkriegszeit arbeiteten dort einige Werkstätten, die Skulpturen, Keramik- und Gipsfiguren produzierten. "1945 hat eine kleine Gruppe von bildenden Künstlern unter Leitung der bekannten Keramikerin Wanda Szrajber, mit ihrer Schwester, Grafikerin Aniela Józefowicz, die die Warschauer Akademie der Schönen Künste absolvierte, und mit Irena Lechowicz […] beschlossen, Devotionalien herzustellen, um deren künstlerische Qualität zu erhöhen. Sie haben eine stillgelegte Porzellan- und Gipsfigurenfabrik übernommen”[2]. Als Effekt dieser Bemühungen hat am Ende 1945 das Keramikwerk "Czyn" Arbeit aufgenommen, wo man sowohl die alten Muster, als auch neue, von Künstlern erarbeitete Entwürfe nutzte.

Jacek ŁydżbaJacek ŁydżbaJacek ŁydżbaJacek ŁydżbaJacek Łydżba

Es lohnt sich, den interessanten Bericht von Janina Orynżyna über ihren Besuch in Częstochowa zu zitieren: "1944 fand ich mich in Częstochowa und hatte die Gelegenheit, die zu dieser Zeit zahlreichen Devotionaliengeschäfte zu besichtigen […]. Zu den am reichsten ausgestatteten und ältesten gehörten die von Jędrzejczykowa […]. sowie Bielecki […], beide im Besitz von bereicherten «Göttermachern», wie man Maler aus Częstochowa nannte. Im Laden von Jędrzejczykowa fand ich viel Material, das einen Überblick über das Schaffen in diesem Bereich verschaffen konnte. Am zahlreichsten waren natürlich Madonnen aus Gips in verschiedener Größe - von 10 cm bis 2 Meter. Mit Ölfarbe weiß gestrichen, in blauen Mänteln, hatten sie Gesichter von süßen, konventionellen Schönheiten. Je nach der Schlange auf dem Erdball, nach dem Rosenkranz oder nach der Position der Arme konnten die Fachleute die "Lourdes", "Voller Gnade", "vom Hl. Rosenkranz" usw. voneinander unterscheiden. Ins Innere dieser Figuren stopfte man Steine, damit sich diese Werke solider anfühlten"[3].

Im Atelier von Jacek Łydżba sah ich über zehn Figuren in dieser ewigen Konvention. Seit einiger Zeit schmückt der Künstler die "heiligen" Statuetten. Er wiederholt bekannte ikonographische Typen - Heiligstes Herz Mariae, Heilige Mutter mit dem Kind, Heiligstes Herz Jesu, heiliger Antonius von Padua, Mariä Unbefleckte Empfängnis, Maria vom Hl. Rosenkranz. Jacek fertigt die Figuren sorgfältig an, verleiht ihnen das Künstlerische. Er sucht sich nicht Harz-, sondern Gipsmodelle aus. Er arbeitet mit dem spröden, anspruchsvolleren Material, eingehend und mit Bedacht legt er die bunte Emaille auf die Formen. Er bedient sich nur reiner Farben. Die Heiligenfiguren scheinen durchflutet von intensivem Blau, Rot, Gelb. Mäntel, Kleider, Habits werden dekoriert mit vielfältigen Mustern und Ornamenten. Es erscheinen Punkte - groß und klein, nicht immer regelmäßig -, Herzmotive, Blumen, Flammen, auf der Oberfläche der Gewänder verstreut. Das Ganze ist fantastisch harmonisch. Mir sind einige unkonventionelle Nuancen und Details aufgefallen, z.B. ein rotes Herzchen an der Brust eines blauen "Gott vergelt`s"-Engels und dessen blaue Haare. Ich bemerkte einen fröhlichen Heiligen Antonius von Padua mit untypischer, bunter Kopfbedeckung. In einer anderen Version wurde der Habit von diesem Heiligen mit Zweigen von weißen Lilien geschmückt und unter dessen Füßen erblühten Feldblumen. Eine der Figuren hat auf dem Rücken die Worte des Gebets. Beeindruckt hat mich die Vorstellung der Heiligen Maria mit blutendem Herz - ein Farbflecken fließt beunruhigend nach unten und färbt Marias Kleid rot. Jacek schafft eine neue Qualität. Seine Heiligen sind ganz selbständige, künstlerische Kreationen. Für ihn ist der weiße Gipskörper - jene neutrale Form - nur der Ausgangspunkt für weitere Handlungen. Das dreidimensionale Modell ist wie die neue, reine Leinwand, am Blendrahmen gespannt.

2010 wurde im Berliner Pergamonmuseum die Ausstellung Bunte Götter. Die Farben der antiken Skulpturen gezeigt. Man präsentierte über zehn Rekonstruktionen der Polychromie an griechischen Skulpturen und Reliefs. Welche Reaktionen hat diese Ausstellung erweckt? Staunen, Bestürzung. "Die Polychromien, auf Gipskopien der Originale gelegt, stechen in die Augen mit starken Farben. Die Farben kontrastieren oft miteinander: starkes Blau des Azurits steht neben Ocker, Malachitgrün glänzt neben Zinnober. Alles nach dem griechischen Mimesis-Prinzip: die Skulpturen sind so bemalt, um möglichst stark an die abgebildete Wirklichkeit zu erinnern.”[4].

Skulpturen und architektonische Elemente bemalte man seit frühesten Zeiten. An den Figuren der paläolithischen Venus entdeckte man Spuren vom roten Ocker, polychromiert wurden Reliefs an den Wänden der ägyptischen Gräber und die Statuen von Pharaonen, archaische Koren und Darstellungen von griechischen Göttern, bunt verzierte man die Häuser im alten Rom. Eine Epoche von leuchtenden Farben und Glanz war auch das Mittelalter. In den philosophischen Schriften von damals nimmt die Frage der Farbe, des Leuchtens und der Dunkelheit einen wichtigen Platz ein. "Schau auf die Welt und alles, was auf ihr ist, und Du findest viel Schönes und Bezauberndes... Gold und Edelsteine haben ihren Glanz, Anmut des Körpers hat die Vollkommenheit, die Gemälde und Gewänder ihre Farben", schrieb Hugo aus der Schule des Heiligen Viktors. Eine gar sinnliche Wonne spendeten die Innenräume der byzantinischen Kirchen mit ihren von Gold schillernden Mosaiken. In Polen wurden u.a. die Säulen der Kirche in Strzelno polychromiert; die Fassade der Schlosskirche in Marienburg schmückte bis 1945 eine außergewöhnliche, kolossale Figur der Heiligen Maria. Angefertigt wurde sie im 14. Jahrhundert. Zunächst bedeckte man sie mit Polychromie, dann mit Mosaik. Sie erinnerte an ein kostbares Juwel und stellte einen starken künstlerischen Akzent der Hauptfassade des Hochschlosses dar. Die Gestalt war mit einem goldenem Gewand eingehüllt und mit einem roten, sehr gemusterten, mit goldenen Vögeln "bestickten", blau gefutterten Mantel überworfen. Ein weißer Schleier bedeckte ihren Kopf. Das Christkind hatte ein rotes Kleid, mit goldenen Blumen geschmückt.

Mutige Koloristik und originelles Dekor an den Figuren von Jacek Łydżba erfreuen das Auge. Diese Art Expression ist in der Tradition der Kunst - der antiken, heidnischen, aber auch der christlichen, westeuropäischen - stark verwurzelt. Die Zeit, Kriege, Kataklysmen, aber auch bewusstes Handeln von Menschen und Fehler der Restauratoren verursachten irreversible Schäden und zerstörten viele Baudenkmäler, Dekorationen, Polychromien, Mosaiken. So ist die Meinung entstanden, dass die Werke der früheren Architektur und Bildhauerei schnörkellos waren. Wir schätzen ihre Konstruktion, Gestalt und Schönheit des Materials, aber wir vergessen ihre malerischen Qualitäten. Die Innenräume der mittelalterlichen Kirchen waren bunt und weiße Marmorskulpturen im antiken Griechenland wurden bemalt. Die Farbe verschönert und verstärkt die Ausdruckskraft. Sie hat auch symbolische Bedeutung. In den Werken mit religiösen Themen bezog sich die Symbolik immer auf Gott. Das Blaue bedeutete himmlische Weiten, die Luft, es war ein Zeichen der Weisheit Gottes. Es ist eine "geistige", kontemplative Farbe. Mit ihr kontrastiert das "irdische" Rot, das Lebenskraft, Feuer, Blut, aber auch Macht bedeutet. Grün ist die Erneuerung des Lebens, Weiß - Reinheit und Unschuld. Schwarz assoziierte man mit Unglaube und Sünde.

Jacek bedient sich der Farbe ganz intuitiv, er lehnt jedoch weder die kanonische Prinzipien noch den symbolischen Überbau ab und die freie Vielfarbigkeit hilft ihm, das Konventionelle an den Typen zu verbergen.

Die religiösen Motive sind seit langem in der Kunst von Jacek Łydżba vorhanden. Ich denke an seine Bilder mit zarten, sehr sensuellen Darstellungen von engelhaften Figuren und mit kämpfenden, viel gefährlicheren Erzengeln. Der Künstler setzt auch seinen Zyklus der Bilder auf dem Papier fort, in dem Motive nach einer Schablone abgebildet werden. Diesen Arbeiten sind eine gewisse Zurückhaltung und Sparsamkeit eigen. Wir sehen einzelne Konturaufnahmen (musizierender Engel, Gesicht der Heiligen Maria, Schlange als Symbol der Sünde, flammendes Herz), bereinigt von überflüssigen Details sowie mit Schwung gelegte farbige Flecken mit charakteristischen "Duchscheuerungen" im Hintergrund.

Die Heiligenfiguren sind naiver, aber sogar in dieser aufgezwungenen Form und Konvention findet der Maler einen Platz für das Individuelle und die künstlerische Geste.


Anmerkungen

  • [1] A. Jaśkiewicz, R. Rok, Z dawna Polski Tyś Królową. Pamiątka z pielgrzymki do Jasnej Góry, Muzeum Częstochowskie, Częstochowa 2002, s. 22.
  • [2] J. Orynżyna, Dewocjonalia częstochowskie, „Polska Sztuka Ludowa”, R. 30, 1976, Nr. 2, S. 119.
  • [3] Ebenda, S. 115
  • [4] P. Kieżun, Czerwone usta kore, „Kultura Liberalna”, 2010, Nr. 84, Nachdruck [in:] https://kulturaliberalna.pl/2010/08/17/kiezun-czerwone-usta-kore/


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