Warschau

Małgorzata Czyńska Wojciech Tuleya Von Małgorzata Czyńska Wojciech Tuleya



Das Warschau von Krzysztof Kokoryn ist ein subjektiver, malerischer Führer durch die Hauptstadt. Voller Erinnerungen aus den 1990er‑Jahren, als er an der Akademie der Bildenden Künste studierte, und voller heutiger Szenen: Architektur, Straßenräume, Plätze und Parks, Kinos, Theater und Clubs.

Krzysztof Kokoryn
Krzysztof Kokoryn

Viele dieser Orte gibt es nicht mehr, sie verschwinden oder verändern sich vor unseren Augen. Kokoryn erfüllt sie mit städtischem Leben und tut dies mit hrabal’scher Freundlichkeit und Zärtlichkeit, denn sein Warschau amüsiert sich — und wenn es sich beeilt, dann mit einem Lächeln, im Tanz, in fröhlichen Sprüngen, mit Wind im Haar und begleitet von Musik. Tomasz Stańko spielt Trompete unter der Palme am de‑Gaulle‑Kreisel, und es findet sich immer ein Passant oder ein Straßenmusiker mit einer Trommel oder einem anderen Instrument. Auch Tiere tanzen in diesem fröhlichen Zug. In diesen Bildern herrscht eine Stimmung der Unbeschwertheit, der Akzeptanz, der Leichtigkeit, ein Hauch von Surrealismus, Lachen und Distanz zu existenziellen Problemen. Malerei ist ein Land der Freiheit.

Im zur Ausstellung erschienenen Katalog werden die von Krzysztof Kokoryn gemalten Warschauer Ansichten von kurzen literarischen Formen von Tomasz Wiśniewski begleitet, geschrieben in der Ich‑Perspektive. Doch man sollte sie nicht als einfache Kommentare oder Beschreibungen der Bilder lesen, denn wie der Autor sagt: „Worte erschöpfen nicht alle Möglichkeiten. Man kann zum Beispiel schauen und dank des Bildes das Wesen der Dinge erfassen.“

Es lohnt sich daher, diese Texte losgelöst von den Bildern zu lesen, intertextuelle Bezüge aufzuspüren, sich an ihrer Fiktionalität, Absurdität und dem spielerischen Ton zu erfreuen, der von einer Reflexion über die Verfassung des modernen Menschen durchzogen ist — einem Humor, der Einsamkeit und Ängste überdeckt — und Hoffnung zu entdecken.

Doch durchdringen sich diese beiden Welten — die malerische von Kokoryn und die literarische von Wiśniewski — nicht in Wahrheit wie ein Warschauer Palimpsest?

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