Der Vorwand Tango

Von Małgorzata Czyńska, Wojciech Tuleya

Das Thema dieser Ausstellung ist Tango, der sinnlichste Tanz der Welt. Verführerisch, sexy, voller Lust, Eifersucht, Gier nach Macht und voller Wunsch, den Partner zu beherrschen, aber auch voller Sehnsucht nach Nähe und Liebe. Sie und er und die Geschichte, die sich für einige Minuten zwischen ihnen auf der Tanzfläche abspielt. Tango - eine Show, in der Frau und Mann auftreten. Oder, besser gesagt, Tango - eine Metapher des Lebens. Einstudierte und beeindruckende Choreographie, mit all den Verbiegungen, Begegnungen und Aneinandervorbeigehen, mit exzellenter Synchronisierung der Partner - oder, amateurhaft, ein unbedarfter Tanz, der den Paaren erlaubt, einfach auf der Tanzfläche zu gleiten.

Krzysztof Kokoryn
Krzysztof Kokoryn

Natürlich, wenn man die Entwicklungsgeschichte des Tangos verfolgt, ist seine heutige Form Lichtjahre vom Ursprung entfernt. Der Tango wurde in Argentinien geboren: in Buenos Aires, in den ehemaligen Armenvierteln, unter Hochstaplern, Matrosen und Prostituierten, war damals, mit seinen plötzlichen Pausen und Kehrwendungen, härter, primitiver, zügelloser. Lange galt er als unanständig und war verboten. Es wurde gesagt, es gäbe Tangos, um zu leiden, und Tangos, um zu töten. Erst die Mode und Filme der 20er Jahre haben ihn salonfähig gemacht.

Die Bands haben sich ebenfalls verändert. Drei, vier Männer mit Bandoneons, die intuitiv, ad hoc spielten, wurden von dem Solo für Klavier mit dem Kontrapunkt der Violine verdrängt. Es entstanden professionelle Orchester, die Tango spielten, professionelle Vortänzer und Tango-Schulen. Es heißt, der Tango habe zwar an Eleganz gewonnen, jedoch seinen richtigen Charakter verloren. Aber das ist nicht der Gegenstand unserer Diskussion und dieser Ausstellung. Der Tango ist hier nur ein Vorwand, obwohl zweifellos das Leitmotiv.

Kokoryn näherte sich dem Thema methodisch an. Er hat sich mit der Tangogeschichte vertraut gemacht. Er hörte Musik, schaute sich Hunderte von Archivfotos an. Er könnte Illustrationen zu einzelnen Liedern und Erzählungen aus Buenos Aires malen, aus Lokalen, die nach Zigarren, Brillantine, Gin und überhitzten Körpern riechen. Glücklicherweise hat das Temperament des Malers gegen die Eifer des Historikers die Oberhand gewonnen. Denn was ist ein Tango? Eine emotionale Bombe. Eine elektrische Ladung. Die Geschichte von zwei Menschen, aufgezeichnet mit Tanzschritten und Musik. Mehr als mit Buenos Aires assoziiert Kokoryn den Tango mit Hauspartys der 70er Jahre, mit der Musik von Schallplatten, mit dem Geruch von Haarlack.

Der Tango ist also nur eine Inspiration, denn diese Bilder könnten auch ohne ihn existieren. Wenn man über die Malerei von Krzysztof Kokoryn spricht, fängt man fast sofort an, über die Musik zu sprechen. Tanzende Paare, Jazzmusiker und verschiedene andere Musikanten. Ein Plattenspieler in der Zimmerecke, eine Stapel von Schallplatten - das sind ständige Motive seiner Bilder. Die Stille existiert nicht, den Szenen in Cafés kann man problemlos eine musikalische Untermalung verpassen.

Kokoryn kann sich das Leben ohne Musik nicht vorstellen, genauso wie er sich das Leben ohne Malerei nicht vorstellen kann. Seit Jahren bringt er es nicht nur in seinen Bildern, sondern auch in Animationsfilmen und Videoclips zum Ausdruck. Nicht ohne Grund unterhielt er sich über Tango und die Bilder der Ausstellung mit seinem Freund, dem Musiker Mateusz Pospieszalski, mit dem er regelmäßig Ton und Bild zusammenfügt. In der Musik von Mateusz spürt Krzysztof die Melodik, das Tänzerische und das Nostalgische des Tangos. In der Malerei von Kokoryn sieht Pospieszalski sich selbst, er identifiziert sich mit seinen Musikerdarstellungen und hört die Musik in der Intensität der Nuancen, in reinen Tönen der dick aufgetragenen Farbe. Der Tango stellt den Ausgangspunkt für ein Gespräch dar. Denn Kokoryn hat keinen Tango gemalt und Pospieszalski auch keinen komponiert, beide haben aber in sich seine Kraft.



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