Hohn und Sacrum

Von Marian Pankowski

Bei den hier gezeigten Skulpturen fällt die omnipotente, banale Männlichkeit auf. Im soziologischen Sinne wird sie zum Spott: Der Prolet verhöhnt den Herrn, er macht sich lustig über seine Marmor- und glatt polierten Bronzestatuen. Im philosophischen Sinne wird sie zur Befreiung der pseudoharmonischen, angeblich von Gott regierten Welt, die sich tatsächlich in den Händen supranationaler Geschäftsleute befindet.

Leszek Jasiński Leszek Jasiński Leszek Jasiński Leszek Jasiński Leszek Jasiński

Mir gefällt die opulente Leiblichkeit der altertümlich schamlosen Gestalten.

Sie haben etwas von dem arroganten, trotzigen Bauern Kaziuk, dem Protagonisten aus Edward Redlinskis „Konopielka“, dem Epos des sozialistischen Polen schlechthin.

Man sieht in den Gesichtern und Gesten viel von uns „Kerlen“, wie wir aufrecht und voller Fantasie „das Weib“ auf die Knie zwingen, und siehe da, da ist sie schon bereit für einen Liebesdienst.

Nacktheit und Körperlichkeit haben aber nichts mit der heute so modischen und exhibitionistischen Inszenierung von Sexualität gemeinsam. Bei Jasinski sind sie bloß ein organischer Teil unseres irdischen Lebens – so wie vor sechzig Jahren das Getümmel der Gläubigen während einer Maiandacht in meinem Sanok. Da stand ich, lobte die Frühlingswiesen, zitterte, trunken von Weihrauch und dem Mädchenschweißduft der an mich gepressten Gymnasiastin.

Er liegt mir nah, dieser Blick auf unser irdisches Leben und auf Gottes Himmel. Deshalb schließe ich mich Jasinskis Schulterzucken an, mit dem er auf meine Frage „Glaubst du denn überhaupt an Gott?“ (am Fuße Golgathas!) geantwortet hat. Würden die Polen, zumindest die mit Abitur, endlich begreifen, dass Sacrum nicht nur Priester und Sakristei ist…



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