Innere Masken seiner Seele

Von Stanisław Rosiek

Łukasz Huculak Łukasz Huculak Łukasz Huculak Łukasz Huculak

1.

Über einen Schädel können wir mit Sicherheit nur sagen, dass er ein Residuum ist - ein Überbleibsel des lebenden Körpers, in Leiche verwandelt, die unwiderruflich zum Staub wurde. So viel. Und nur so viel. Der ganze Rest von dem, was man über ihn seit langem spricht und was man mit ihm (vom Anbeginn der Welt an) macht, wurde von Angst diktiert. Es gibt nichts zu verbergen, man muss das klar und deutlich bereits am Anfang sagen: es handelt sich um die Angst vor dem Tod, der sich am liebsten im Schädel verkörpert und so unter uns symbolisch erscheint.

Angst vor ihm hat auch Łukasz Huculak, der seit mehreren Jahren Porträts von Schädeln malt. Und auch ich habe diese Angst, wenn ich hier schreibe, was er gemalt hat. Aber es muss nicht immer so sein. Denn jetzt zum Beispiel, wenn ich vor einem Stück Papier sitze und Komm, süßer Tod von Bach höre, schwindet meine Angst für einen kurzen Moment. Es ist ein reiner Zufall, dass ich gerade Bach abspiele, und zwar das Stück, das im Schmieder-Verzeichnis die Nummer BMV 478 trägt. Es erlaubt mir jedoch, zu bemerken, dass unsere Angst mit dem vagen Wunsch nach dem Gegenteil gesäumt ist: Süßer Tod, komm.

2.

Die Art und Weise, wie der Schädel in der Welt existiert, ist paradox. Er scheint allgegenwärtig, obwohl er in der Wirklichkeit unzugänglich und verborgen ist. In der Regel sehen wir nur Attrappen, Kopien, unbedarfte Nachahmungen, welche seine natürliche Schönheit beleidigen. Man begegnet ihnen jederzeit und überall. Der Schädel mit gekreuzten Knochen als schematische Ikone, der populäre "Totenkopf", warnt vor dem Tod: durch Gift, Strom, Ziegelstein, der vom Gerüst runter fällt... Der Schädel als Karnevalsmaske, getragen von denjenigen, die sich von seiner rücksichtslosen Kraft ein Stück abschneiden wollen. Der groteske Halloween-Held Pumpkin, der ausgehöhlte Kürbis, eine Parodie und ein Negativ des Schädels. Schädel als Lehrmaterial - Nachahmungen von menschlichen Skeletten aus Kunststoff, die in Biologieräumen stehen. Aber das ist eine schulische Parodie des Todes. Dem Plastikgerippe fehlt an Seriosität: vor allem wenn die Schüler ihm zwischen die Zähne Zigaretten einstecken, gemacht aus eingerollten Blättern aus dem Religionsheft.

Die allgegenwärtigen Attrappen versperren uns den Zugang zum Original. Sie erlauben uns, den Inhabern eigener Schädel, nicht, dem Schädel eines Toten von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen. Deshalb gibt es kaum jemand, der ihn mit seinen eigenen Augen gesehen hat.

Solange der Schädel seine biologischen Funktionen erfüllt, verbirgt er sich unter dem Geflecht von vierundfünfzig Muskeln, die das Gesicht bilden. Denn es ist das Gesicht, das als Erstes den Zugang zum Schädel verwehrt. Es ist dessen natürliche Maske, die man (so lange man lebt) nicht abnehmen kann. Schlimmer noch: wir kennen nicht mal unseren eigenen Schädel, der uns am nächsten ist. Manchmal sehen wir nur sein Spektrum auf einem Röntgenbild. Obwohl dieses Bildnis einen seltsamen, von einigen hoch geschätzten Charme besitzt, gewährleistet es aber keinen vollständigen Augenkontakt. Erst der Tod entlarvt den Schädel und führt ihn in die sichtbare Welt ein. Nur dass wir dann keine Augen mehr haben, um ihn zu betrachten und seine (unsere) Schönheit zu genießen.

Andere werden auch keinen leichten Zugang zu ihm haben. Der Schädel, durch Tod und Zersetzung des Gesichts entlarvt, wird bald wieder versteckt. Es gibt wahrscheinlich kein unerschütterlicheres Tabu in der europäischen Kultur als der Anblick des Inneren von Gräbern und ihren Bewohnern. Den natürlichen Auflösungsprozess der Leiche hat die Kultur über ihre Grenzen hinausgeworfen. Der Zugang ist streng reglementiert. Er wird einfacher, wenn die Leiche mumifiziert ist oder sich vollständig zersetzt hat, wobei der Schädel und das Skelett des Menschen freigelegt wurden. Aus "weichen" Körperteilen tauchen früher oder später die "harten" auf, denen man ein begrenztes Recht gewährt, in der sichtbaren Welt zu verweilen. Auch gut. Die Neugier bringt Menschenmassen zu den Ossuarien, diesen einigen Dutzend Orten in Europa, wo die Schädel, zur Schau gestellt, auf Touristen warten.

[Randnotiz: Für uns ist das nächste Ossuarium die Schädelkapelle in Czermna. Interessant, ob Łukasz Huculak die Pilgerreise zu einem dieser Orte bereits hinter sich hat. Davon gibt es ja viele. Oder vielleicht besuchte er ein Museum für Anthropologie, wo den Schädeln der Status eines wissenschaftlichen Objekts verliehen wurde?]

3.

Für das ungeübte Auge sehen alle Schädel (fast) gleich aus. Ihr visuelles Schema ist noch einfacher zu zeichnen als das Schema des Gesichts. Das kann jeder: zwei dunkle Augenhöhlen, darunter ein schwarzes Loch anstelle der Nase, noch tiefer eine gerade Reihe von entblößten Zähnen. Das ist das ideale Schema. Aber es ist von der Realität nicht weit entfernt. Die Unterschiede sind gering. Korrigierend können wir sagen, dass reale Schädel meistens nur die oberen Zähne (mal mehr, mal weniger davon) behalten; es fehlt der Unterkiefer, der in der Regel irgendwo verloren geht, sich nach dem Tod vom Kopf trennt und das Schicksal des Skeletts teilt (also im Sack für Knochen landet).

Egal ob ideal oder real - jeder Schädel scheint dem anderen (und allen übrigen Schädeln) mehr zu ähneln als ein Gesicht einem anderen Gesicht.

Ich erinnere mich an das tägliche Staunen während meiner Arbeit in der "Reserve" von Musée de l'Homme in meinen jungen Jahren [Randnotiz: ich grüße hier Philipe Mennesier, dem ich diese Arbeit verdankte, und ein gesprächiges und dabei äußerst charmantes und vitales Mädchen, mit dem wir üblicherweise das Mittagessen in der Mensa des Museum aßen]. Hunderte Gipsabgüsse von Köpfen der Lebenden oder der Toten, die von Regalen zu uns schauten, gesammelt von Franz Joseph Gall und seinen Schülern, wirkten wie eine vielfältige Menschenmenge: hier der dicke X, dort Z neben dem abgemagerten Y. Es war schwer, sie zu verwechseln. Die auf gleichen Regalen aufgestellten Schädel berühmter Verbrecher, großer Künstler und Politiker der Epoche sahen auf den ersten Blick so aus, als ob sie von der gleichen Presse stammten. Sie ähnelten einander wie zwei Tropfen Wasser. Die Unterschiede konnte nur die zarte und empfindliche Hand des Phrenologen erkennen, der die Oberflächen nach signifikanten Ausbuchtungen untersuchte, welche kriminelle Neigungen oder Genialität deren Besitzer zu bestätigen hatten.

Noch schlimmer ist es in den Ossuarien. Die Schädel von Gall, als strukturierte Objekte von wissenschaftlicher Forschung, behielten zumindest ihre Namen. Darum kümmerte sich der illustre Phrenologe. Die Schädel, aus denen man im späten 18. Jahrhundert die Kapelle in Czermna gebaut hat, sind Überreste von anonymen Opfern der Kriege (des dreißigjährigen und des siebenjährigen) sowie von zahlreichen Cholera-Epidemien, die Niederschlesien heimsuchten. Zusammengedrängt, einer neben dem anderen, machen diese Schädel zunächst den Eindruck, als wären sie ein einziges multipliziertes Wesen. Wer könnte sie voneinander unterscheiden und benennen? Sogar der Gründer der Kapelle, Pater Wacław Tomaszek und sein Helfer, der Totengräber Langer, hätten damit erhebliche Schwierigkeiten.

Wirklich? Wie es scheint, nicht immer. Ich schaue in die Wikipedia und finde Folgendes: "In der Kapelle befinden sich die Schädel des Totengräbers Langer, des Bürgermeisters von Czermna und dessen Frau, dann der Schädel eines Tataren (das bezeugt dessen Anatomie), ein Schädel mit krankhaften Veränderungen, der Femurknochen von einem Menschen, der ca. 2 m groß war (wahrscheinlich ein Schwede) sowie ein schlecht zusammengewachsener Gliedmaßenknochen. Die Spuren von Kugeln trägt der Schädel des Bürgermeisters Martinec, der während des Siebenjährigen Krieges (1756–63) von den Preußen erschossen wurde, weil er das österreichische Heer durch die Irrenden Felsen geführt hat. Seine Frau starb durch einen Schlag mit einem scharfen Gegenstand (Spuren auf dem Schädel), während sie versuchte, ihren Mann mit ihrem eigenen Körper zu schützen". Anscheinend hat auch der Priester Tomaszek verordnet, dass seine Knochen 20 Jahre nach seinem Tod in der Kapelle beigesetzt werden sollten. Diese wenigen Namen der Toten können aber nicht die Tausende von anonymen Schädeln ausgleichen, mit denen die Wände der Kapelle in Czermna ausgekleidet sind. Es gibt keinen Übergang von den Schädeln zu ihren Namen und - weiter - zu deren individuellen Existenzen.

Anders bei den Schädeln von Huculak. Sie brechen aus den gehorsamen Reihen aus. Weder Wissenschaft noch Religion hat Anspruch auf sie. Vielleicht deshalb sind sie einander kaum ähnlich. Der Maler war in der Lage, die Physiognomien der dargestellten Schädel so zu diversifizieren, dass wir sie als mehrere Entitäten wahrnehmen. Es gibt nicht einen Schädel, sondern viele. Und jeder ist anders.

Eine so weitgehende Individualisierung der Bildnisse stellt diese Schädel außerhalb des Mainstreams der ikonografischen Tradition. In den allegorischen Darstellungen wurden dem Schädel in der Regel, soweit möglich, individuelle Merkmale entzogen. Er sollte ein reines Zeichen sein. Anders ist es in der Welt von Huculak, der Porträts der Schädel malt. Also keine Schädel "im Allgemeinen", keine Allegorien, keine Zeichen des Nichts, eingebaut in eine übergeordnete Struktur von signifikanten Darstellungen, sondern eher individuelle Bilder von Schädeln, die in ihrem eigenen Namen sprechen und ihre eigene Wahrheit verkünden - nicht reduzierbar, nicht zurückführbar auf das eine oder andere allegorische System.

Haben wir also vor uns die Porträts von Schädeln, die "nach der Natur" gemalt wurden? Ich glaube nicht, dass Huculak - wie einst Cézanne - Schädelstudien betrieben hat. Hier und jetzt, in der modernen Welt wäre es in der Realisierung zu kompliziert. Für einen Maler ist es heute leichter, ein lebendes Modell statt eines toten, und dazu noch im Zustand fortgeschrittener Zersetzung, zu finden. Für diese Arbeit gibt es keine Freiwilligen. Ein Porträt des Schädels zu machen ist also in der Praxis für einen Maler keine ganz einfache Aufgabe. Huculak hatte keine andere Wahl. Er musste die Schädel aus der Phantasie malen.

Obwohl, wer weiß schon? Vielleicht stellt der Maler, auf der Suche nach postmortalen Individualitäten, seine Staffelei in Ossuarien oder in Sammlungen von anthropologischen Exponaten auf? Das ist aber kaum zu glauben. Für Huculak - wie für eine verstorbene Dichterin - ist der Schädel eher die innere Landschaft der Seele als ein (entferntes und schwer zugängliches) Studienmodell.

4.

Der Schädel - als ein residuales Wesen - ist die Form des Widerstands des einmal lebenden Körpers gegen den Zerfall und das Nichts. Daher kann davon ausgegangen werden, dass die Überreste einer biologischen Existenz, obwohl mit Sicherheit unwiderruflich tot, immer noch auf der Seite des Lebens verbleiben. Sind sie also - wie der Titel der Schädelausstellung von Huculak lautet - ein spätes Anzeichen des Todes? Ja, aber nennen wir die Sachen mutig beim Namen: es ist dessen letztes Anzeichen. Die letzte Form des Menschen. Später gibt es nur den endgültigen Zerfall, Staub und Nichts. Und noch später nur Nichts.

Die Schädel befinden sich da, wo das Sein an das Nichts grenzt (falls das Nichts überhaupt existiert).

Keiner, der lebt, hat da einen Zutritt. Es wäre auch schwer, es sich vorzustellen und daher auch schwer, darüber zu schreiben. Sogar der heilige Augustinus hatte damit erhebliche Probleme. Das Nichts, zu dem uns die Schädel führen, ist nicht verfügbar und nicht vorstellbar. Deshalb, wenn wir uns dem in Gedanken nähern, ist es leicht, einen Fehler zu machen, vom Kurs abzuweichen, der Rationalität zu entsagen und auf die Seite des Glaubens überzugehen. Also nochmal von vorne:

Die Schädel gehören zwar nicht mehr dem Leben (denn sie haben den Körper verloren, vor allem im Gesicht), aber bleiben immer noch auf unserer Seite (wobei sie dafür einen hohen Preis zahlen, welcher die Vergegenständlichung ist) - auf der Seite von sichtbaren Formen der Existenz. Aber die Schädel sind nicht mehr "von hier." Sie sind fremd. Es scheint, dass sie zu einer anderen Welt gehören. Aus diesem Grund verleiht man ihnen so bereitwillig die Funktion der Mittler zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten, welche hier, unter uns, nicht mehr verweilen.

Die Schädel von Huculak übernehmen gerne diese Rolle. Wenn man sie anschaut, kommt es einem vor, dass sie uns etwas zu sagen haben. Oder zumindest tun so, als ob sie eine wichtige Nachricht hätten, eine ungewöhnliche Botschaft "von dort", von der Welt, die wir früher oder später erreichen und die - solange wir noch leben - uns versperrt bleibt. Bilder von Huculak, der den Schädeln vertraut wie nur wenige, sind ein Versuch, diese Botschaften zu lesen und zu verstehen. Und sie dann an uns weiter zu leiten, die wir, unwürdig prosaisch, uns von dem Tod und allen Formen, in denen er sich zeigt, abwenden und hoffnungsvolle Blicke auf die vor Lebenskraft strotzenden erotischen Körper richten und von ihnen die Geste der sofortigen Anerkennung unserer Körperlichkeit oder der Aufforderung zur Koexistenz (die die Angst vor dem Nichts lindert) erwarten.

Was Wichtigeres könnten uns die Schädel anbieten? Was Wesentliches könnten sie uns sagen?

Ihre Sprache ist dunkel und lallend. Was sie sagen, ist schwer zu verstehen. Und es scheint auch, dass sie nicht mit einer Stimme sprechen. Anders als die allegorischen Schädel. Sowohl jene von Grabplastiken als auch die von Ossuarien verkünden immer das Gleiche: "Du wirst sterben, so wie ich gestorben bin." Und wiederholen ihre Mahnung in verschiedenen Zungen. Die aus der Schädelkapelle in Mielnik sagen: CO JSTE VY, BYLI JSME I MY / CO JSME MY, BUDETE I VY. Wer das noch nicht verstanden hat, höre aufmerksam eine der polnischen Versionen: "Wanderer / Ich war, was Du bist / Du wirst, was ich bin / beten wir füreinander".

Ist das alles? Hunderte von Jahren in Hunderten von Sprachen die banale Wahrheit zu verkünden, dass wir alle sterben? Oder dass im Angesicht der Ewigkeit alles in dieser Welt nichtig ist, Vanitas vanitatum et omnia vanitas? Hoffen wir, dass die Schädel uns vielleicht noch etwas Anderes sagen, nur dass wir sie weder hören noch verstehen können.

Es scheint, dass Huculaks Gehör besser ist. Er malt, was er vernommen und verstanden hat. Seine stummen Schädel sagen viel mehr als jene, die wir aus den Friedhofsinschriften und Stillleben der holländischen Maler aus dem 17. Jahrhundert kennen. Und mehr noch als jener, den Hamlet auf dem Bild von Delacroix hält, denn dort ist der Schädel lediglich ein Requisit, um das sich die Leidenschaften von Lebenden ranken. Huculaks gemalte Schädel, denen er ihre verlorenen Persönlichkeiten wiedergibt, sprechen laut und deutlich: "Ich war", was in unserer Sprache - der Sprache der Lebenden - bedeutet: "Ich bin".

Eine andere Sache ist, dass die Art und Weise, wie diese sprechenden Schädeln existieren, weiterhin unbestimmt bleibt. Wo verweilen sie? Woraus sprechen sie? Wie kann uns ihre Stimme erreichen? All das ist nicht bekannt. Wichtig ist jedoch, dass - dank dem Maler, der sie der Sichtbarkeit zurückgibt - wir in ihre toten Gesichter mit leeren Augenhöhlen schauen und dadurch das Nichts erfahren oder mit dem Jenseits (wenn wir glauben, dass es sie gibt) in Kontakt treten können.

5.

Huculaks Faszination ist verständlich. Und es ist schwer, sich ihr zu entziehen. Die Schädel, die er malt, sind so schön. Oder jedenfalls als visuelle Formen äußerst interessant. Hätte sonst der Maler ihnen so viel Aufmerksamkeit geschenkt, wenn er in ihnen nicht die perfekte Form erblickt hätte? Das Gewölbe eines Schädels kann mit der Kuppel des Petersdoms in Rom konkurrieren, genauso wie das menschliche Skelett mit einer gotischen Kathedrale. Sie sind als Formen genauso selbstverständlich und ebenso ideal. Es reicht nur, sie einfach auf der Leinwand darzustellen. Und nichts hinzufügen.

Huculaks Schädel sind nackt und roh. Der Maler kam nicht auf die Idee, sie mit irgendetwas zu verzieren. Er versucht, in seinem Werk die ihnen angeborene Schönheit herauszuholen und zu zeigen. Er ließ sich nicht zur Dekoration verführen, obwohl er in Ossuarien und Kapellen viele ermutigende Beispiele gefunden hätte: Schädel mit blumigen Ornamenten, mit einem Namen auf der Stirn oberhalb des Todesdatums, Schädel mit Edelsteinen besetzt, Schädel gefärbt, Schädel (von Mumien) mit Hüten, Mützen, Haarlocken. Auch sie wollen und können gefallen.

Die von Huculak geschaffene Porträtgalerie geht weit über die Kategorien von Schönheit hinaus. Der Maler betrachtet die Schädel mit kühlem und forschendem Blick, reduziert die Distanz, fasst sie in engen Rahmen ein, was dazu führt, dass der Betrachter den Eindruck hat, mit einem Schädel von Angesicht zu Angesicht zu kommunizieren. Diese Nähe, obwohl nur scheinbar, ist jedoch beunruhigend. Hätten die Schädel von Huculak geatmet, hätten wir sicherlich einen Hauch von Grabesluft im Gesicht gespürt. Zum Glück atmen Residualwesen nicht. Übrigens benötigt die Malerei nur das Auge, das das Betrachten von der Distanz erlaubt. Und so betrachten wir es auch.

Einige Schädel von Huculak haben Schwierigkeiten, die ihnen zugewiesene Existenzform einzuhalten. Sie verschwimmen im Nebel der Leinwand. Oder vielleicht, im Gegenteil, tauchen sie erst aus diesem Nebel auf? Wie auch immer, dies sind die Schädel vom Grenzbereich, welche verkünden, dass die Welt der Toten irgendwo (aber wo?) existiert. Und dass sie uns mit ihrer Hilfe etwas mitteilen will. Selbst wenn die von einem Schädel gesprochenen Worte als eine reine Anmaßung vorkommen.

Andere seine Schädel behaupten dagegen, dass sie als Dinge vor sich keine eschatologische Perspektive haben oder sehen. Und darum beschränken sie sich auf das rein Visuelle. Es reicht ihnen, dass der Maler das Prinzip ihrer Existenz im Raum als geometrische Körper definiert, die sich in die komplexe Welt der Formen eingliedern. Diese Schädel wollen gar nicht sprechen.

Noch andere Schädel verlieren ihre Identität durch die Änderung der Sichtweise oder eine Fragmentierung. Sie werden zu abstrakten Objekten, zu unregelmäßigen Körpern, die der Maler (in der Phantasie) studiert, als ob ihm jemand die elementare Aufgabe der Malerei erteilt hätte: male mir bitte eine Vase, male Früchte, male einen Schädel, indem Du ihn von der Seite des Gaumens betrachtest.

In der Galerie von Huculak gibt es auch ein paar Schädel, die den Stand ihrer Existenz und eher bescheidenen sozialen Status nicht zur Kenntnis nehmen. Sie geben vor, dass der Tod sie nicht betrifft. Oder ist es eher der Künstler selbst, der nicht merken will, dass sein Held, längst gestorben, endgültig auf die Seite des Todes überging? Manche Schädel ähneln also den Gesichtern von Verstorbenen oder vielleicht eher den Todesmasken, von diesen Gesichtern genommen, die die Lebenden im Gips (und später dann manchmal im Bronzenguß) unsterblich machen wollten.

Nur wenige Schädel werden von Huculak in der populären Konvention des Gruseligen dargestellt. Aber solche gibt es auch. Diesen gebe ich heute die größten Chancen, das Interesse der breiten Öffentlichkeit zu erwecken, die darin ihr gut bekannte Figuren aus den Horrorfilmen wiedererkennt.

6.

Wie sind die Perspektiven der eschatologischen Malerei von Huculak? Eher gering. Ein Schädelmaler, auch wenn er der größte Meister wäre, hat heute wenig Chancen auf Erfolg. Er ist zum Scheitern verurteilt - es sei denn, er stellt sein Talent in den Dienst der Massenkultur, deren höchste Blüte (und die höchste Verfeinerung) makabre Computerspiele darstellen. Ein Maler, der mehrere Dutzend von Vanitas-Bildern schafft, sollte sich jedoch für sein Schicksal nicht bemitleiden. Er ist selber schuld, dass er seine Zeit verpasst hat. Wie konnte er nicht merken, dass fast alle um ihn - unabhängig von Geschlecht, Alter und sozialer Herkunft - den Gedanken an den Tod, dessen Bote der Schädel ist, weg von sich schieben, dass sie energiegeladene lebende Körper, erotische Körper begehren, die die Illusion des Überlebens geben - wer weiß, vielleicht auch für ewig? Die Schädel, auch die schönsten und eloquentesten, erfüllen diese Wünsche nicht. Man braucht also eine außerordentliche Hartnäckigkeit, um den Schädel in den Horizont des Lebens zu rücken. Geschweige denn - des erotischen Lebens.

Ich schließe ab. Ich verlasse Huculaks Schädel, mit denen ich viele Stunden der Nacht verbrachte. Ich will nicht mehr, dass sie mit mir reden. Ich kehre zur Musik zurück. Komm, süßer Tod.



Ausgewählte Werke

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