Glück und Chaos der Gegenwart

Spricht Agata Matusielańska

Kalina Horoń

Kalina Horoń, eine junge abstrakte Künstlerin aus Kraków, perfektioniert ihre Technik und erobert langsam die junge Wiener Szene. Für Galeria Art erzählt sie über Österreich, Inspirationen aus der experimentellen Musik, die Notwendigkeit, auf die Intuition zu hören, und Partys auf Vernissagen...


Du hast soeben die Akademie der Schönen Künste in Kraków absolviert und bereits an Ausstellungen in Wien und in der Schweiz teilgenommen. Wie kam es dazu?

Kalina Horoń: Nach Wien kam ich bereits im vierten Studienjahr, im Rahmen des Erasmus-Austausches. Ursprünglich sollte es nur ein Semester sein, aber dann habe ich den Aufenthalt für das ganze Jahr verlängert und bewarb mich an der örtlichen Hochschule mit dem transmedialem Profil. Die Wiener Kunstszene gefiel mir. Ich fühlte, dass ich da bleiben und arbeiten wollte, obwohl es am Anfang nicht leicht war. In Wien gibt es an der Akademie der Bildenden Künste ein viel lockereres Herangehen an das Lehren, erst hier habe ich gesehen, dass man seine Technik auch anders üben kann.

Worin genau besteht der Unterschied zwischen den beiden Hochschulen? Er musste für Dich besonders wichtig sein, denn sogar Dein Krakauer Professor Andrzej Bednarczyk räumte ein, dass der Aufenthalt in Wien Deiner Kunst gut tat und Du dort bleiben solltest.

Die Akademie der Schönen Künste in Kraków ist eine Hochschule mit einer sehr traditionellen Ausrichtung, was man auch an den Diplomarbeiten in Malerei erkennen kann. In Wien habe ich den Eindruck, dass mehr junge Künstler experimentieren. Viele Studenten interessieren sich für Graffiti und generell für die "schnelle" Malerei. Es gibt hier kein Studieren von Stillleben oder Akten, was an der Krakauer Hochschule üblich ist.

Kalina Horoń

Und diese Art zu lehren sagt Deinem Umgang mit der Kunst mehr zu?

Ich arbeite immer intuitiv, meine Werke basieren auf keinen Skizzen. Auch male ich schnell, der Prozess selbst ist nicht lang. Für mich ist die Malerei ein Werkzeug, durch das ich alles Erlebte weitergeben kann. Es liegt mir daran, dass meine künstlerische Sprache individuell und dadurch für die Menschen erkennbar ist. Gerade in Wien habe ich auf Ölfarben verzichtet, was meinen Stil sehr "aufgefrischt" hat. In Kraków beschmierte ich mich immer wieder mit Öl, weil es die Technik war, die man an einer traditionellen Akademie vergöttert. In Wien entschied ich mich für einen anderen Weg, der mir ermöglichte, mich als Malerin weiter zu entwickeln. Ich reduzierte deutlich die Werkzeuge. Jetzt experimentiere ich mit Ölstiften, mit Sprays und allerlei Markern.

Zeigen sich die Unterschiede, von den Du erzählst, auch in der unterschiedlichen Wahrnehmung Deiner Kunst in beiden Ländern?

Natürlich! Die Werke, die ich in Wien geschaffen und dann in Polen ausgestellt habe, wurden als sehr innovativ gesehen. Ich weiß, dass sie in Kraków einen großen Schock verursacht haben, wegen ihrer starken Farben und Frische. Bei der Arbeit an meinen Bildern inspirierte ich mich hauptsächlich durch die junge Wiener Kunstszene, die im Ausland Erfolge hat, vor allem in den USA. Insofern waren sie für das Wiener Publikum nicht so erschütternd.

Kalina Horoń

Du nimmst oft an Veranstaltungen über Grenzgebiete der Künste teil, in Underground-Räumen. Vor Kurzem konnte man Deine Arbeiten an der alternativen Wiener Kunstmesse "Parallel" sehen.

In Wien gibt es mehr Möglichkeiten als in Kraków, eigene Arbeiten zu zeigen. Deshalb ist es viel einfacher, etwas zu organisieren, auch in Off-Räumen und nicht unbedingt in den offiziellen Galerien. An der Kunstmesse "Parallel" bekam jeder Künstler sein eigenes Zimmer und konnte den sterilen Raum individuell arrangieren. Die Ausstellungen dauerten eine ganze Woche und abends fanden verschiedene Events statt. Insgesamt ist das also ein sehr intensives Ereignis, das viele junge Wiener Künstler zusammenbringt.

Eines der Exponate Deiner Ausstellung war ein seltsames Auto, bunt bemalt mit Pastellfarben...

Ja, es war ein echtes, funktionstüchtiges Auto. Zusammen mit meinem Freund Florian Matthies, der mit solchen Autos Besichtigungstouren in Wien organisiert, hatten wir die Idee, dass ich eines davon bemalen sollte - inspiriert durch die Aktion "BMW art car", in der Künstler die Lackierung der BMWs gestaltet haben. Es war mein erstes Werk dieser Art, aber ich hätte nichts dagegen, das zu wiederholen. Die Reaktionen waren sehr positiv, es war ein Scherzprojekt.

Kalina Horoń

Spielt der Humor eine wichtige Rolle in Deiner Kunst?

Auf jeden Fall. Ich denke, es gibt zu viel ernste Künstler, die keine Distanz zu sich selbst haben. Während der "Parallel"-Messe hörte ich von den Zuschauern, dass meine Ausstellung von den anderen Räumen abhebt. Oft wurde das Publikum durch das Positive an meinen Arbeiten überrascht. Sie riefen Freude und Lächeln hervor, und daran liegt es mir.

Willst Du mit Deiner Malerei, neben positiven Reaktionen, auch irgendwelche Inhalte überbringen?

Ein Bild ist für mich ein ästhetisches Objekt und letztlich wird es immer das sein. Die Realität ist ein Motiv, das meine Arbeiten inspiriert, sie entstehen jedoch in der Opposition zu ihr. Ich will darin hauptsächlich das Gefühl von Glück überbringen, denn ich glaube, dass es das Chaos der Gegenwart durchdringt. Ich denke, dass mit der Freude auch die innere Balance zusammenhängt. Sie ist bei glücklichen Menschen, also welchen, die sich in der modernen Welt zurechtfinden können, offensichtlich. Ich will, dass meine Bilder diesen Zustand der menschlichen Emotionen durch die kompositorische Balance verkörpern.

Neben der Malerei beschäftigst Du Dich auch mit Performances, wo Du oft Geige spielst und mit Synthesizern experimentierst. Beeinflusst die Musik das Entstehen Deiner Bilder?

In meiner Studienzeit in Kraków malte ich zunächst figurativ, erst später habe ich mich entschieden, in Richtung Abstraktion zu gehen. Deshalb war mein erster Schritt die Anknüpfung an die Musik, wo ich nach Analogien zwischen zwei verschiedenen Kunstarten suchte. Es war eine Rückkehr zu den Wurzeln, denn bevor ich an die Akademie der Schönen Künste kam, besuchte ich eine Musikschule, wo ich das klassische Violinspielen lernte. Während des Studiums kehrte ich zu diesem Instrument zurück, konzentrierte mich aber auf die experimentelle Musik und das Spiel mit Effekten.

Wie genau wird von Dir die Musik in die Sprache der Malerei übersetzt?

Ich versuche, meine Bilder ähnlich wie Musik zu komponieren. Es ist ein improvisiertes Komponieren, größtenteils durch Emotionen und momentane Assoziationen verursacht. In der Malerei ist für mich die Balance der Expression wichtig, also das Gleichgewicht von zusammenwirkenden Mitteln.

Hast Du vor, nach Polen zurückzukehren oder eher die Karriere in Wien fortzusetzen?

Es ist für mich wichtig, meine Arbeit in Wien fortzusetzen, denn diese Stadt bietet mir mehr Möglichkeiten als Kraków. In zwei Jahren in Österreich habe ich mehr Kontakte aufgenommen als während des ganzen Studiums in Polen. Hier passieren Dinge schneller. Die Bekanntschaften führen bald zu Kooperationen. Der nächste Schritt wäre für mich, die Zusammenarbeit mit einer ausländischen Galerie aufzunehmen und eine individuelle Ausstellung zu organisieren.


Fotos: Valentina Schandl



Ausgewählte Werke

    • It's yellow and something
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      • Medium: Mixed media on canvas
      • Size: 156 x 146 centimeters
      • Price: PLN 12000

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    • Happy little thing
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      • Medium: Acrylic on canvas
      • Size: 65 x 59 centimeters
      • Price: PLN 4000

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