Das Zeichen im Raum

Von Małgorzata Czyńska



Wer hat nicht einmal auf einem Heft, Rezept, einer Schultischplatte gekritzelt? Wer hat nicht Seitenränder und sämtliche Kalenderseiten wild entschlossen mit bedeutungslosen Karomustern, Flicken und Kreuzchen beschmiert? Wer hat keine Initialen in Tünche oder Baumrinde gekerbt? Na eben. Eine typische Demonstration von Präsenz, Gebietsmarkierung. In städtischem Raum sind diese Tätigkeiten legitimiert, anerkannt und mit Bezeichnungen wie Grafitti, Inschriften, letztendlich – Streetart, versehen worden; mehrere Namen und Spitznamen werden nicht mehr mit Wandalismus in Verbindung gebracht, sondern für Künstlerleistungen gefeiert. Doch ist diese Art nach der Übertragung auf Leinwand noch lange als etwas zu nonchalant, liederlich, rebellisch empfunden worden. Warum eigentlich?

Kalina Horoń

In den Bildern von Kalina Horoń finden wir den Wiederhall unserer eigenen intuitiven Krakelei, Spuren von Zeichen aus städtischen Gebäudefassaden, Toren, Brücken und Straßenüberführungen. Wir geraten in den Strudel von Farben und kindhaft anmutenden Zeichen.

Kalina Horoń

Das angebliche Chaos und die Nachlässigkeit, die die Bilder ausdrücken, sind irreführend und dürfen den Beobachter zur flüchtigen Deutung sowie zum oberflächigen Urteil verleiten. In Wirklichkeit gibt es hier weder Nachlässiges noch Zufälliges. Hinter der vermeintlich zufälliger Ansammlung bunter Zeichen versteckt sich ein durchdachtes Gefüge. Die Künstlerin lässt ihr Bild methodisch und überlegt entstehen. Und da der Effekt sehr leicht ausfällt und das Bild als in einem Moment der Sorglosigkeit gezeichnet erscheint, desto grösser die Kunst. Kalina bezieht sich bewusst auf die Grafitti – Kultur, action painting von Jackson Pollock, heiβ geliebten Vertreter von Neoimpressionismus, wie Jean – Michel Basquiat oder Jonathan Meese, den sie ihren persönlichen Genie nennt.

Anstatt von Pinsel benutzt sie lieber Filzstifte, Farben in Stift, Spray, und sogar einen Stock, der in der Farbe getaucht wird.

Kalina Horoń

Eine andere Assoziation, welche sich aufdrängt – die Bilder von Horoń ähneln einer Musikaufnahme – ergibt Sinn, da die Künstlerin Geige spielt, und es ihr womöglich gelungen ist, die Regeln und Ästhetik von Notation intuitiv in die Sprache der Malerei zu übersetzen. Sie zitiert gerne die Worte von Witold Lutosławski: „Ich suche in den Bilder nichts auβer dieser selbst. Dasselbe gilt für Musik – ich sehne mich nach nichts mehr, als nach der Musik selbst. Nur nach Gefühlen. Die Musik ist doch eine Kunst der Gefühle, der sehr mannigfaltigen Gefühle“.

Kalina Horoń

Die abstrakten Bilder von Kalina Horoń kommen natürlich nicht aus dem Nichts. Die Künstlerin betont, dass ihre Malerei das Ergebnis vom Erleben der Welt ist. Jean Miró, ihr weiterer Meister, hat einmal gesagt: „Jede Form, jede Farbe, die in meinen Arbeiten vorkommen, entstammen der Realität. Begriffe, wie „reine Form“ oder „reine Farbe“ haben für mich nichts zu bedeuten“. Kalina nimmt aus der Fülle von Geschichten, Erlebnissen, Anreizen, einzelne Elemente heraus, übersetzt sie in die Sprache von Zeichen und setzt sie auf der Leinwand nach eigener Art zusammen. In ihren neuesten Bildern kommen immer mehr an Weiβ, Licht und Luft vor. Als würden ihre Zeichen, aufgepumpt mit Helium, im Raum fliegen. Reine Affirmation des Lebens. Diese Botschaft bewegt mich, das will ich. Ein anderes Mal zitiere ich Miró: „Wichtiger als das Werk selbst, ist seine Auswirkung. Die Kunst kann sterben, das Bild zerstört werden. Es ist die Saat bedeutend, die gesät wurde.“.



Ausgewählte Werke

    • In a room
    • In a room

      • Medium: Oil on Canvas
      • Size: 78 x 58 centimeters
      • Price: PLN 4800

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    • Games in green
    • Games in green

      • Medium: Mixed media on canvas
      • Size: 166 x 126 centimeters
      • Price: PLN 8000

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