Zustand nach 23 Jahren (Bogna Gniazdowska & Mikołaj Kasprzyk)

Von Małgorzata Czyńska

Wie der Zustand nach 23 Jahren des gemeinsamen Lebens und separaten Malens aussieht, kann man sich überzeugen, indem man die Ausstellung von  Bogna Gniazdowska und Mikołaj Kasprzyk in Konduktorownia (Schaffnerhaus) in Częstochowa besucht. Beide Künstler, einander treu, beharren auf die Eigenart ihrer Kunst.

Bogna Gniazdowska
Bogna Gniazdowska Bogna Gniazdowska Bogna Gniazdowska

Er stellt - unter dem Deckmantel der Rückkehr in die Vergangenheit in Form eines Renaissancekostüms - Beziehungen zwischen den Menschen und die menschliche Kondition dar. Bei Kasprzyk ist alles durchgedacht, nichts läuft blindlings. In der Reihe "Bustrofedon" zeigt er einmal wieder, dass in diesem Wahn eine Methode steckt. Er schaut aufs Neue in die Vergangenheit zurück, diesmal bis ins Altertum. Charakteristische Linien, auf denen er seinen Held laufen, springen, hüpfen, stehen bleiben lässt, das ist eben Bustrofedon, eine aus dem antiken Griechenland stammende Methode des Textschreibens in den aufeinanderfolgenden Zeilen, abwechselnd von rechts nach links und von links nach rechts, wobei die Bewegung der schreibenden Hand an die Bahn erinnert, die ein Ochse, den Pflug ziehend, auf dem Feld zeichnet.

Eines bleibt jedoch unverändert - die weibliche Gestalt auf den Bildern von Mikołaj ist seine Ehefrau Bogna.

Bogna Gniazdowska

Sie greift gerne nach dem Album mit Familienfotos, nach eigenen Lichtbildern aus der Kindheit, nach herumliegenden Objekten, die sie mit gleicher Empathie porträtiert wie Menschen. "Früher lag mir viel daran, ein Werk zu beenden, abzuschließen, einen Gegenstand anzufertigen", erklärt die Malerin. "Jetzt scheint mir das Malen selbst wichtiger: Farben aufzutragen, eine neben die andere, auf den Hintergrund, und die Spannung zwischen ihnen sowie die Emotionen, die sie in mir hervorrufen, anzuschauen. Als ob ich eine Art inneren Dialog geführt hätte mit der eigenen Unfähigkeit, der Faulheit, dem Unvermögen. Das ist auch ein Versuch, einzufangen, was im Porträtthema - in der Person, im Tier, im Gegenstand - für mich wesentlich ist: den Charakter, die Ähnlichkeit, die Stimmung. Das Malen selbst ist, als Tätigkeit, wie eine Selbsttherapie - sie gibt mir die Ruhe und das innere Gleichgewicht zurück. Die Malerei als Beruf diszipliniert - das ist eine Ordnung, die man sich selbst auferlegt. Und so halte ich hartnäckig an diesem unpraktischen Beruf, dessen Ausüben in der heutigen Zeit an ein Wunder grenzt. Ich bemühe mich, weil es das ist, was ich am liebsten tue."

Die Vernissage der Ausstellung von Bogna Gniazdowska und Mikołaj Kasprzyk fand leider ohne die Hauptdarsteller statt. Die Künstlerin musste in Warschau bleiben, um sich um die Katzen zu kümmern, der Künstler kam zwar nach Częstochowa, aber anstatt die Ausstellung zu eröffnen, ließ er sich von einer grippalen Seuche niederwerfen. Die Honneurs machte Jacek Łydżba; das Publikum konnte, in ungezwungener Atmosphäre, 23 Jahre des Zusammenlebens des Paares verfolgen.

Galerie Konduktorownia (ehemaliges Bahngebäude) - Regionalverband der Schönen Künste in Częstochowa, ul. Piłsudskiego 34/36



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